ERFAHRUNGSBERICHTE 1

Rosa Delia, was hast du in dem Moment gefühlt, als du von der Zusage des Stipendiums erfahren hast? Wem hast du als erstes davon erzählt?
In dem Moment, als mir gesagt wurde, dass ich Stipendiatin des MIRIAM-Projekts werden sollte, verspürte ich ein so großes Gefühl der Freude, wie ich sie noch nie zuvor in meinem Leben gespürt habe. Es war immer mein Traum, zu studieren und Akademikerin zu sein. Ich träumte davon schon eine lange Zeit, obwohl es für mich fast unmöglich war, ihn zu erfüllen. Zum Zeitpunkt der Bewerbung war ich alleinerziehende Mutter und meine finanzielle Lage war sehr schwierig. Als erstes habe ich meiner Mutter von der Zusage erzählt. Ich rief: „Mama, Mama, ich bin so glücklich! Ich werde studieren, sie geben mir das Stipendium!“ Ich kann gar nicht beschreiben, was ich in dem Moment alles verspürt habe: Es waren vor allem Gefühle der Freude und unendlicher Dankbarkeit. Ich dankte Gott und dem MIRIAM-Projekt! Das Projekt hat mir so viel Hilfe und Unterstützung gegeben, wie sie mir niemand in meinem Leben gegeben hat.

Was gefällt dir beim MIRIAM-Projekt am besten?
Alle Workshops für uns Stipendiatinnen sind wichtig, von Themen wie innerfamiliäre Gewalt, Gender bis hin zur Übertragung von Geschlechtskrankheiten. Zudem haben wir Workshops zum Thema Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein gemacht, die sehr wichtig für uns waren und immer noch sind.

Ich finde, das eigene Selbstwertgefühl hat einen großen Einfluss auf unser Handeln und den Erfolg, den wir im Leben haben. Es hilft uns in unserer Weiterentwicklung und ich konnte bereits meiner Familie, Freundinnen und Freunden Ratschläge geben und ihnen helfen. Mir wurde schon mehrmals gesagt, dass ich mich sehr zum Positiven verändert habe. Das freut mich immer sehr zu hören. Denn das Projekt hat mir sehr geholfen und es ist schön, dass auch andere diese Veränderungen an mir sehen.

Ich muss zugeben, dass mein Selbstwertgefühl vorher ein wenig schwach war. Ich habe alles negativ gesehen und mir wenig zugetraut. Das hat sich nach diesem Gruppentreffen geändert. Nach dem Workshop begann ich umzudenken und Mut zu fassen, mein Denken und Handeln zu ändern. Ich sagte mir, dass ich diese Einstellung ändern müsse und aufhören müsse, alles negativ zu sehen. Ich habe mir vorgenommen, dieses

Rosa Delia Centeno Centeno
Achuapa, Dpto. de León
Studentin der Agrarwissenschaften
4. Studienjahr, UPONIC Estelí

ERFAHRUNGSBERICHTE 2

INTERVIEW MIT MELANIE, Klientin der Rechts- und Psychologischen Beratung in Achuapa, Nicaragua.

Melanie* ist 45 Jahre alt, hat ein Kind und lebt in Achuapa.

Melanie*, aus welchen Gründen sind Sie zum MIRIAM-Projekt gekommen?
Ich kam aus zweierlei Gründen. Zum einen kam ich, weil mein damaliger Lebensgefährte mich aus dem Haus geworfen hat und er mir nicht einen Peso (Groschen) für unsere Tochter gab. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen und liegt dem Richter vor, da er die außergerichtliche Abmachung nicht eingehalten hat. Jetzt zahlt er wenigstens eine vorläufige Unterhaltszahlung, bis der Prozess abgeschlossen ist. Derzeit zahlt er uns monatlich 1200 Córdobas (rund 60 Euro, Anm.), obwohl er viel mehr zahlen könnte, weil er sehr gut verdient und unsere Tochter sein einziges Kind ist. Von den 1200 Córdobas bezahle ich allein 600 für die Miete, da bleibt nicht viel für das Essen und oft weiß ich nicht, wovon ich meiner Tochter Schulmaterialien und Kleidung kaufen soll, wenn ich doch selber nur sehr eingeschränkt wegen meiner Krankheit arbeiten kann? Die Frauen im MIRIAM-Projekt helfen mir dabei, dass er endlich Verantwortung übernimmt. Der zweite Grund, warum ich das MIRIAM-Projekt aufgesucht habe war, dass ich an Depressionen leide und daher psychologische Hilfe brauche.

Wie haben Ihnen die Frauen, die Sie im MIRIAM-Projekt betreut haben, geholfen?
Seit der Betreuung im MIRIAM-Projekt fühle ich mich ausgezeichnet. Die Anwältin und die Psychologin haben mir wirklich sehr geholfen. Zum einen konnten wir eine vorläufige Unterhaltszahlung bewirken, was uns das Überleben zumindest schon mal gesichert hat. Zum anderen wurde mir psychologisch sehr geholfen. Früher war ich immer sehr unruhig und unausgeglichen wegen meiner psychischen Probleme. Die Psychologin hat viele Einheiten zur Entspannung mit mir gemacht. Sie ist wirklich eine wunderbare Person! Manchmal habe ich sie weinend angerufen und sie hat es immer wieder geschafft mich zu beruhigen und mir Mut zuzusprechen. Ich konnte jederzeit vorbeikommen, um mit ihr zu reden.

* Name geändert.